Gleicher Ort – andere Zeit …

… oder andersrum: Gleiche Zeit – anderer Ort. Das geht durcheinander. Ich kenne die Menschen, aber sie passen nicht zum Ort. Vielleicht gehört der Ort in eine andere Zeit. Die Menschen passen nicht zur Geschichte, die müssen in eine andere Geschichte. Ich bin auch da, aber ich passe auch nicht zur Geschichte, auch nicht an den Ort, weil das war zu einer anderen Zeit. Wo passe ich denn hin?

Ich brauche andere Menschen, einen anderen Ort und eine neue Geschichte.

 

Hineinpassen 2

 

 

Was ist das??

Ein Gefühl? Ein Zustand? Eine Krankheit?

Es entwickelt sich, ein Satz, ein unangenehmes Thema, keine Diskussion möglich, hilflos, sinnlos, es führt zu nichts, wie ein Luftzug, ein Luftzug – und im nächsten Moment ein Orkan. Der Punkt ist erreicht, etwas explodiert, Tränen, Wut, Aggression, Zittern, nur weg, Anspannung, der ganze Körper verkrampft, Flucht, Schmerzen, es soll weh tun

Nicht mehr hier, und nicht woanders, irgendwo dazwischen.

Laßt mich in Ruhe! Merkt ihr es nicht, es geht nicht! Ich hab keine Kontrolle!

Weg! Im Auto, gelähmt, muss losfahren, wohin, bloß keine Menschen, irgendwo hin, enge Strasse, ihr müßt ausweichen, ich tu’s nicht.

Es geht nicht weg, etwas ist in Unordnung, gefährlich .., was soll ich tun?

Der Kopf in einer Wolke, keine Kontrolle, etwas macht sich selbstständig.

Angst!!

Betäuben? Alkohol? Tabletten? Egal, irgendwas …….

 

 

Flug verpasst

Ich bin in meiner alten Berliner Wohnung. Es sieht ziemlich verwahrlost aus, als ob da schon lange niemand mehr wohnen würde. Ich sehe auf die Uhr. Mit bleibt noch etwas Zeit, bis mein Flug geht. Ich setze mich an den Tisch, nur kurz denke ich. Ich bin müde, so müde – nur ganz kurz …

… ich muss eingeschlafen sein. Wieviel Uhr ist es ? Zu spät! Ich werde es nicht mehr rechtzeitig zum Flughafen schaffen. Eigentlich macht es mir gar nichts aus. Ich bin eingeschlafen, ich kann nichts dafür.

Aus der Mitte des Lebens gerissen …

„Wenn es morgen schon zu Ende wär … “

In diesem Lied hat Roger Cicero beschrieben, wie wichtig es ist, im Hier und Jetzt zu leben, weil es ganz schnell mit uns zu Ende sein kann. Er konnte nicht wissen, wie schnell sich das für ihn selbst bewahrheiten wird.

Roger Cicero ist im Alter von 45 Jahren gestorben.

Es ist einfach nur traurig. Seine Musik begleitet mich seit Jahren und hat schon oft durch die optimistischen Texte meine Laune verbessert.

Und es macht mich sehr nachdenklich. Roger Cicero hat sein Leben der Musik gewidmet.

Arm gegen Arm

Eigentlich ist es doch paradox, dass sich die Armen gegenseitig bekämpfen, während die Reichen  auf ihre Kosten immer reicher werden. Ein Hartz IV – Empfänger neidet dem Flüchtling, dass der  was zu Essen und ein Dach überm Kopf bekommt, aber dass Wirtschaftsbosse Unternehmen ruinieren und Arbeitsplätze abschaffen und dafür auch noch Millionen kassieren, scheint niemanden wirklich zu stören.

Wer noch ein bißchen Erspartes hat oder eine Lebensversicherung fürs Alter, wird darum von den Banken betrogen, aber das wird ohne Aufschrei hingenommen.

Sind wir Bürger denn schon so lethargisch und von diesem sinnlosen Politikersprech so eingelullt, dass wir nicht sehen, wer die Schuldigen sind. Oder wollen wir es nicht sehen, weil duldende Zuschauer genau so schuldig sind, wie die Täter selbst.

Nächtliches Klassentreffen

Heute Nacht habe ich viele Menschen getroffen, die ich seit 20 oder 30 Jahren nicht mehr gesehen habe. Und das erstaunliche ist, dass sie sich gar nicht verändert haben. Am Anfang sitzen wir in einer Art Klassenzimmer. Neben mir sitzt meine beste Freundin der 5. und 6. Klasse, Ina. Sie trägt den gestrickten Pulli, den sie damals auch immer trug und hat immer noch die langen Zöpfe. Sie hat ein Gefäß dabei mit irgendwelchem undefinierbaren Untersuchungsmaterial. Es ist ziemlich eklig, aber ich bin höflich interessiert. Ich wundere mich, dass wir uns so gut verstehen, da ich ja weiß, dass sie später als Ärztin recht arrogant geworden ist. Es sind noch mehr bekannte Gesichter da. Von vielen weiß ich die Namen gar nicht mehr.

Dann bin ich an einem Strand. Auch da sind Leute, die ich von früher kenne. Ich sehe mir Photos an. Ich war da auch, aber auf den Bildern bin nirgends zu sehen. Dann denke ich, dass ich die Bilder wohl selber gemacht habe.

Dann eine Straße, ein exotischer Imbiss, ein toller Sonnenuntergang. Ich möchte ein Handyphoto machen, aber dauernd läuft mir einer ins Bild.

Als nächstes ist es Nacht und ich stehe mit anderen Leute vor einem Club. Ich denke erst, ob ich dafür nicht zu alt bin. Aber die Anderen gehen alle rein, also geh ich mit. Es ist sehr eng und ziemlich schäbig, aber irgendwie witzig. Wieder treffe ich Leute von früher. Es läuft gute Musik, man unterhält sich und es herrscht unbeschwerte Stimmung.

Langsam leert sich der Raum. Ich bleibe mit irgendjemanden zurück und wir sehen uns die Bilder an der Wand an. Dann sollten wir wohl gehen.

Plötzlich verwandelt sich der Raum in den Kellerraum, den meine Nachbarn okkupiert haben. Scheint etwas ordentlicher zu sein, als in Wirklichkeit. Schade eigentlich! War ne interessante Nacht.